Presse 2009

GEA:

Partnerschaft – St. Johann feiert das zehnjährige Bestehen seiner Verbindung mit Thénezay. Besucher begrüßt

»Bist du ein Franzose?«

ST. JOHANN. »Bist du ein Franzose?« wurde St. Johanns Bürgermeister Eberhard Wolf von einem sehnsüchtig wartenden Jungen gefragt. »Nein, aber die kommen gleich«, antwortete der schmunzelnd, und so war es dann auch. Am Donnerstagnachmittag kam die Delegation aus der Partnergemeinde Thénezay mit etwas Verspätung in Würtingen an. 90 Besucher werden bis 2. Mai bei ihren deutschen Gastfamilien wohnen.
Einige sind zum ersten Mal dabei, andere kommen schon seit 10 Jahren. So lange besteht die Partnerschaft nämlich schon, und das soll gefeiert werden. Nach Salutschüssen des Schützenvereins Würtingen wurden die französischen Gäste und ihre Gastfamilien in der Gemeindehalle vom Chor der Nachbarschaftsgrundschule Lonsingen mit »Frère Jacques/Bruder Jakob« begrüßt. Bürgermeister Wolf sprach im Anschluss von der Bedeutung der französisch-deutschen Beziehungen. Er hoffe, dieser Besuch werde helfen, Freundschaften zu vertiefen und neue zu gründen.
So stehen in den nächsten Tagen bis zur Abreise am 2. Mai unter anderem ein Wilhelmabesuch für die Kinder, eine Führung über den Fohlenhof und ein Empfang im Rathaus auf dem Programm.
Seit 1999 besteht die Partnerschaft zwischen Thénezay und Würtingen. Bei der Organisation hilft den Gemeinden jeweils ein Partnerschaftsverein, der auf deutscher Seite von Dr. Horst Roller geleitet wird. (gap)

Mai 2009

Jumelage – Beim Partnerschafts-Jubiläum kamen sich Franzosen und Deutsche in Würtingen näher

Feierliche und vergnügliche Wege zueinander
ST. JOHANN-WÜRTINGEN. Thénezay und St. Johann verbindet seit zehn Jahren eine Partnerschaft. Anlässlich des Jubiläums kamen sich Franzosen und Deutsche am Samstag in der Würtinger Festhalle wieder ein Stück näher. Sie tauschten freundliche Worte, Treueschwüre und gewichtige Geschenke, sie schmausten, lachten, tanzten, feierten. Bürgermeister Eberhard Wolf und sein französischer Kollege Hervé de Talhovet-Roy waren sich einig: »Die Partnerschaft ist sehr lebendig.«
Schulen, Musikgruppen, Künstler, Vereine und viele Privatpersonen hauchten dieser Partnerschaft Leben ein, stellte Wolf fest und sprach voneinem »Engagement, das über zehn Jahre nie nachgelassen hat«. Der Bürgermeister glaubt, dass »gegenseitiges Beschnuppern und Unsicherheiten« der Vergangenheit angehören. Er appellierte, »auf den Wegen der Freundschaft darf man kein Gras wachsen lassen«.
De Talhovet-Roy, der am Freitag aus Paris der französischen Delegation auf die Alb nachgereist war, bedankte sich bei denjenigen, die sich so engagiert für die Partnerschaft eingesetzt haben. Der frühere Präsident des Gemeindeverbandes Thénezay plädierte dafür, den gemeinsamen Weg weiter zu beschreiten. Jean Pillot, Vorsitzender des französischen Partnerschafts-Komitees, zeigte sich überzeugt, die Verbindungen seien äußerst solide. Er unterstrich, der Schüleraustausch bleibe für die Gemeinde-Partnerschaft von größter Bedeutung.
Dr. Horst Roller, Vorsitzender vom »Freundeskreis St. Johann-Thénezay«, betonte: »Die Partnerschaft hat uns alle in vielfältiger Weise inspiriert, sie bereichert unser Leben jeden Tag«. Roller dankte ausdrücklich den Gemeinde-Mitarbeitern, die bei der Organisation des Festes behilflich waren. »Das alles hätte der Freundeskreis nicht alleine stemmen können«, verriet er.

Für die 220 Gäste war bestens gesorgt: Die Festhalle war geschmückt mit frischem Grün und Flaggen. Liederkranz Würtingen und Sängerbund Bleichstetten servierten Flädlessuppe, Salat, gemischten Braten, Spätzle und Kirsch-Speise. Jungmusiker aus Upfingen und Würtingen unterhielten beschwingt zum Menü. Für die perfekte Völkerverständigung sorgte der gebürtige Elsässer Bernhard Hufschmied, der alle Festreden ins Deutsche oder Französische übersetzte.
Die Franzosen überreichten Wolf eine steinerne Skulptur und eine große, mit einem Segelschiff gekrönte Wetterfahne. Die St. Johanner Ortsvorsteher bekamen jeder ein Schmuck-Fässchen mit Wein im Maxi-Tetrapack. Die Gastgeber revanchierten sich mit einer Bildtafel aus poliertem Granit und hölzernen Geschenk-Schalen, prall gefüllt mit regionalen Spezialitäten.

Lektion in Sachen Fußball
Nach Showeinlagen von Jugendgruppen des SV Bleichstetten baten die Franzosen zum Mitmach-Tanz. Zu Square-Dance-Klängen drehten sich die Freunde aus beiden Ländern entspannt, fröhlich lachend und feiernd im Kreis.
Die Jugend fand ihren eigenen Weg zueinander: Die Fußball-Jungs aus Thénezay hatten nachmittags den Zehnjährigen aus St. Johann eine 6:0-Lektion verpasst, abends saßen sie vergnügt und selbstbewusst an der Tafel. Anstatt sich lange über die deutschen Tischsitten zu wundern, verschlangen sie hungrig den Salat auch ohne Baguette und fingen alsbald mit den Jungmusikerinnen auf der Bühne heftig zu flirten an. (joba)

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SÜDWESTPRESSE
Mai 2009

Schützen begrüßen Gäste mit Böllerschüssen

Delegation aus Thenezay trifft mit 45 minütiger Verspätung ein.
Ein hupender Bus und Böllerschüsse der Schützen: Lautstark wurden rund 100 Gäste aus Thenezay begrüßt, die bis Sonntag gemeinsam mit den St. Johannern das zehnjährige Bestehen der Partnerschaft feiern.
Mit 45 minütiger Verspätung trafen die Gäste aus Thenezay in St. Johann ein. Würtingen In der mit französischen Farben geschmückten Würtinger Gemeindehalle war das Büfett bereits gerichtet, der Sekt kalt gestellt und die kleinen Sänger vom Lonsinger Schulchor waren bereit für ihr Mini-Konzert. Doch die Hauptpersonen ließen auf sich warten: Mit 45 Minuten Verspätung fuhren endlich zwei Busse mit rund 100 Gästen aus Thenezay vor, einer kam direkt aus Frankreich und der andere hatte einen Teil der Delegation vom Stuttgarter Bahnhof abgeholt.
Trotz der Strapazen einer mehr als zwölfstündigen Reise stiegen die Franzosen bestens gelaunt aus und wurden von ihren ebenfalls strahlenden Gastgebern in Empfang genommen: Viele kannten sich bereits durch unzählige Besuche in den vergangenen zehn Jahren, das Hallo war entsprechend groß – französische Begrüßungsküsschen flogen hin- und her.
45 St. Johanner Familien nehmen bis Sonntag 100 Franzosen bei sich auf: „Manche haben bis zu sechs Gäste“, freut sich Gabriele Zander vom Freundeskreis über die Bereitschaft. Der bekommt wiederum von den Gastgebern großes Lob für die Organisation des Mammutprogramms, das bis ins Detail geplant ist und viel Arbeit bedeutete. Die war angesichts der großen Wiedersehensfreude jedoch schnell vergessen. Bei einem Glas Sekt, einem kühlen Bier und schwäbischen Backhaus-Spezialitäten kamen Franzosen und St. Johanner schnell ins Gespräch, alte Bekannte ebenso wie diejenigen, die sich zum ersten Mal sahen. Notfalls wurde mit Händen und Füßen oder auch auf Englisch geredet.
Das Besuchsprogramm ist vielseitig, gestern standen unter anderem eine Wanderung sowie Empfänge im Rathaus und am Rutschenfelsen an. Heute gehts für die Erwachsenen nach Gruorn, die kleinen Besucher aus Frankreich machen sich in die Wilhelma auf. Am Abend findet dann in der Würtinger Gemeindehalle der große Jubiläumsabend statt.

KIRSTEN OECHSNER

SÜDWESTPRESSE
Mai 2009

Partnerschaft bereichert das Leben und öffnet die Herzen

Gäste aus Frankreichs Kanton Thénezay zu Gast in St. Johann
Ein schwäbisches Fest mit französischem Flair bildete den ausgelassenen Höhepunkt des Besuchs von rund 100 Franzosen aus Thénezay in St. Johann: Die Partner blicken zuversichtlich in die gemeinsame Zukunft
Mit ihren 95 Jahren ist Jeanne Regnon die älteste Besucherin aus Thénezay und hat Zeiten zwischen Franzosen und Deutschen miterlebt, die geprägt waren von Irritation bis hin zum Hass. Die jüngsten Gäste mit ihren etwa zehn Jahren sind in eine globalisierte Welt ohne innereuropäische Grenzen hineingeboren worden, sie begegnen den Deutschen ohne Vorurteile – wies die Erwachsenen gegenseitig zunehmend auch tun. Das ist indes nicht nur ein Verdienst der Politik, sondern engagierter Menschen wie in Thénezay und St. Johann: Sie leben Partnerschaft, sorgen für Kontakt auf vielfältiger Ebene. Seit zehn Jahren ist dies nun zwischen dem Kanton Thénezay mit seinen neun selbstständigen Kommunen und der Gesamtgemeinde St. Johann mit seinen sechs Teilorten der Fall: „Es ist immer ein Festtag gute Freunde begrüßen zu können“, meinte Bürgermeister Eberhard Wolf beim Jubiläumsfest in der Würtinger Gemeindehalle. Partnerschaft lasse sich nicht nur eine bloße Unterschrift auf einer Urkunde diktieren. Das Band der Freundschaft, so Wolf, sei durch die Menschen selbst intensiv geknüpft worden: „Freundschaften fliegen einem nicht zu, sie müssen wachsen und bedürfen der Pflege „, führte er aus. „Und dafür müssen beide Seiten etwas tun.“ Das ist zwischen den Bürgern aus Thénezay und St.Johann offensichtlich der Fall: Auf vielfältiger Ebene treffen sich die Bürger inzwischen privat und über Vereine, zahlreiche Freundschaften sind entstanden und entstehen immer noch. Denn auf beiden Seiten wachsen junge Menschen nach, die sich für diese wohl direkteste Art des Kennenlernens interessieren: „Die Basis für eine gemeinsame Zukunft ist geschaffen“, bilanzierte Wolf und sprach von einem festen Fundament der Freundschaft.
Daran hatte der Präsident des Gemeindeverbands zu Beginn der langen Verlobungszeit nicht immer gerechnet, wie er zugab: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns 15 Jahre nach dem ersten Treffen hier sehen“, gab Hervé de Tahlouet-Roy zu. „Die Partnerschaft war ein großes Abenteuer für uns. Wir haben uns aber auf einen wunderbaren Weg gemacht und das soll auch so bleiben.“ Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Freundschaft Auswirkungen auf eine gemeinsame sprachliche Basis habe und die Partner irgendwann keinen Dolmetscher mehr brauchen würden. Noch übernimmt diese Rolle vorwiegend der 83-jährige Bernard Hufschmied, der im Kanton Thénezay lebt und im Elsass geboren wurde.
Noch unterhalten sich Deutsche und Franzosen vielfach regelrecht mit Händen und Füßen, fliegen schon mal englische Wortfetzen hin- und her und versucht man sich so weit wie möglich in der Sprache des anderen. Das tat der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch – nicht bei der Wanderung zum Rutschenfelsen oder beim Besuchs Gruorns und erst recht nicht bei der Feier in der Würtinger Gemeindehalle. Angesichts der Euphorie des harmonischen Jubiläumsbesuchs und der vielen unvergesslichen Momente im Lauf der vergangenen zehn Jahre blickte Jean Pillot, Präsident des Partnerschaftskomitees Thénezay denn auch zuversichtlich in die Zukunft: „Unsere Partnerschaft hat noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.“ Davon geht auch Dr. Horst Roller, Vorsitzender des Feundeskreises Thénezay aus: „Die Partnerschaft bereichert unser Leben, sie öffnet unsere Augen und Herzen.“
Zeichen der Freundschaft sind auch Gastgeschenke, davon wurden im Jubiläumsjahr zahlreiche verteilt: Eine Skulptur von offizieller Seite für die Gemeinde St. Johann und Weinfässer für jeden Ortschaftsrat sowie eine Wetterfahne vom Comité de Jumelage. Die neun französischen Bürgermeister erhielten schwäbische Spezialitäten in riesigen Holzschalen, der Gemeindeverbund eine 18 Kilogramm schwere Steinplatte aus Granit mit der Silhouette von St. Johann sowie eine Krippe vom Freundeskreis für den dortigen Weihnachtsmarkt. Das persönlichste Geschenk jedoch waren eigens einstudierte Tänze der Franzosen, die als Zugabe ihre deutschen Freunde mit auf die Bühne holten. Für Unterhaltung sorgten die Jugendkapelle des Musikvereins Würtingen, der Musikverein selbst, Tanzgruppen des SVE Bleichstetten und Wolfgang Jäger mit einem Trickfilm über zehn Jahre erfüllte Partnerschaft. Mit dem Feiern hats noch kein Ende: Für Juni nächsten Jahres ist der Jubiläums-Gegenbesuch in Thénezay geplant.

KIRSTEN OECHSNER

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